Verlegung der Kreistagssitzung ist feige. Flucht vor dem Protest der Familien.

Stahnsdorf, 25. September 2026

Der Landkreis Potsdam-Mittelmark plant für den 1. Januar 2027 drastische Kürzungen bei der Förderung der Familienzentren. Geplant ist eine Reduzierung der Mittel von bislang 1,277 Millionen Euro auf lediglich 777.100 Euro, was flächendeckende Stellenkürzungen zwischen 40 und 70 Prozent zur Folge hätte. Aufgrund dieser massiven Gefährdung der sozialen Infrastruktur hatten die betroffenen Familienzentren und Bürgerinnen für die entscheidende Beratung am 8. Oktober eine Protestaktion vor dem Weinberg-Gymnasium Kleinmachnow angekündigt. Kurz vor dem Termin hat Landrat Marko Köhler nun die Sitzung des Kreistags kurzfristig ins Kulturhaus Locktow verlegt.

Für die Grünen im Ortsverband Stahnsdorf ist dies ein inakzeptabler politischer Schachzug. Die Verlegung der Sitzung wird als gezielter Versuch gewertet, der angekündigten Protestaktion der betroffenen Familienzentren und Bürgerinnen aus dem Weg zu gehen. „Es ist ein alarmierendes Signal, wenn die Kreisspitze die Sitzung kurzerhand verlegt, anstatt sich dem Unmut und den Sorgen der Menschen zu stellen“, erklärt Eric Schollbach, Sprecher des Ortsverbandes Stahnsdorf. „Wer den Dialog mit den Bürgerinnen sucht, wie es in der Mitteilung des Landrats heißt, verlegt nicht die Sitzung, um einer lautstarken Protestaktion auszuweichen. Das ist kein Dialogangebot, sondern ein strategischer Rückzug vor der Kritik.“

Besonders betroffen ist in Stahnsdorf das Jugend- und Familienzentrum „ClaB“ des EJF. Familienzentren leisten essenzielle Arbeit in der Prävention, im Kinderschutz und bei den Frühen Hilfen. Sie sind niedrigschwellige Anlaufstellen, die für viele Familien die einzige Brücke zu Unterstützungssystemen bilden. „Wir sprechen hier nicht über kleine Einsparungen, sondern über eine systematische Aushöhlung der öffentlichen Daseinsvorsorge“, ergänzt Pia Reinhard, Sprecherin des Ortsverbandes. „Stellenkürzungen von bis zu 70 Prozent bedeuten in der Praxis das Ende von Familiencafés, Eltern-Kind-Angeboten und wichtigen Beratungsleistungen. Es ist verantwortungslos, in Zeiten von steigendem Bedarf in der Familienbildung so massiv zu sparen. Wir fordern den Kreistag auf, die Finanzierung auf dem Niveau von 2026 zu erhalten.“

Trotz der Verlegung werden die Grünen und die betroffenen Familienzentren weiterhin lautstark gegen die Kürzungen demonstrieren. Die politische Verantwortung für die soziale Stabilität im Landkreis Potsdam-Mittelmark dürfe nicht durch räumliche Distanzierung vom Protest weggewischt werden.

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